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Serie «Beruflicher Wiedereinstieg: Potenziale erfolgreich nutzen», Teil 1, 31.05.2024
31.05.2024Serie «Beruflicher Wiedereinstieg: Potenziale erfolgreich nutzen», Teil 1 , Nicole Pongracz, Sabine Lehner und Stephanie Escher, SBB AG

«Oase in der Wüste» – Das Programm der SBB zum Quer- und Wiedereinstieg im Fokus

Die SBB hat mit ihrem Quer- und Wiedereinstiegsprogramm «Back to Business» ein wegweisendes Angebot geschaffen, das insbesondere jungen Müttern und Vätern den beruflichen Neustart erleichtert. Stephanie Escher, Sabine Lehner und Nicole Pongracz erklären im Interview, warum das Programm ins Leben gerufen wurde, welche Erfolge bisher erzielt wurden und welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt. Erfahre, welche Vorteile Wiedereinstiegsprogramme für Mitarbeitende und Unternehmen haben.

Ihr habt das Quer- und Wiedereinstiegsprogramm «Back to Business» bei der SBB lanciert. Weshalb hat die SBB AG dieses Programm gestartet?

Stephanie Escher (Head of Sourcing, Recruiting & Talents): Das Back to Business Programm ist ein wichtiger Beitrag um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu verbessern und damit auch den Frauenanteil im Unternehmen voranzubringen. Es werden gezielt Menschen angesprochen, die nach einer längeren Abwesenheit wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Aufgrund der Berufsstruktur sind die Mehrheit unserer Angestellten Männer – diese Ungleichheit gehen wir an. Dabei setzen wir vor allem bei der Rekrutierung an. Der Frauenanteil bei den Bewerbungen ist derzeit mit gut 20% gering. Dennoch konnten wir einen überproportional hohen Frauenanteil bei den Anstellungen erreichen. Unser Ziel ist es, noch mehr Frauen zu ermutigen, sich bei uns zu bewerben. Das Quer- und Wiedereinstiegsprogramm «Back to Business» macht die SBB zu einer attraktiven Arbeitgeberin, gerade für junge Mütter und Väter, die oft Schwierigkeiten haben, Stellen mit passenden Bedingungen zu finden.

«Das Quer- und Wiedereinstiegsprogramm «Back to Business» macht die SBB zu einer attraktiven Arbeitgeberin, gerade für junge Mütter und Väter, die oft Schwierigkeiten haben, Stellen mit passenden Bedingungen zu finden.»
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Stephanie Escher am Workshop vom 14.05. Bild: Laila Tiemann

Sabine Lehner (Lead Diversity & Inclusion): Wir setzen wir uns für Vielfalt unter unseren Mitarbeitenden ein und streben eine offene, wertschätzende und inklusive Unternehmenskultur an. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Engagements sind Massnahmen zur Chancengleichheit und zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Wir nehmen strukturelle Bedingungen in den Blick, um Teilzeitarbeit zu erleichtern und Barrieren abzubauen, damit alle Mitarbeitenden ihr volles Potenzial entfalten können. Unser Quer- und Wiedereinstiegsprogramm «Back to Business» setzt genau dort an.

Könnt ihr kurz erklären, was «Back to Business» genau ist?

Nicole Pongracz (Marketing Manager & Employer Branding): Wir haben verschiedene Programme geschaffen, die Quer- und Wiedereinstiege ins Berufsleben vereinfachen. Unsere Hauptzielgruppe sind junge Mütter und Väter – aber nicht ausschliesslich, denn die Gründe für eine Auszeit sind vielfältig. Die SBB bietet umfassende Unterstützung, um den Wiedereinstieg so reibungslos wie möglich zu gestalten. Dazu gehören individuelle Coachings und die Gestaltung von Rückkehrprogrammen, die auf die individuellen Bedürfnisse und Qualifikationen der Wiedereinsteiger:innen zugeschnitten sind.​

Die Analyse zeigt das Wiedereinsteiger:innen sich oft nicht trauen auf «normale» Stellen zu bewerben. Da sie befürchten keine Chance im Vergleich mit anderen Mitbewerbenden zu haben. Diese Hemmschwelle bauen wir ab, in die wir die Stellen gezielt auch an Wiedereinsteiger:innen anbieten und dies im Stellentitel auch sichtbar machen.

Beispielsätze, die die SBB bei Stellenausschreibungen für Quer- oder Wiedereinsteiger*innen verwendet:

«Du bist bereit, deine Karriere neu zu starten und suchst du nach einer spannenden Herausforderung, bei der du deine Fähigkeiten optimal einsetzen und gleichzeitig etwas Sinnvolles bewegen kannst?»

«Mit unserem individuellen Wiedereinstiegsprogramm bist du in sechs bis zwölf Monaten auf dem neusten Stand der IT-Technologien und gestaltest innovative Lösungen für die Mobilität der Zukunft aktiv mit.»

«Deine berufliche Vergangenheit vor deiner Auszeit steht für uns nicht im Vordergrund. Was uns viel mehr zählt, ist deine Begeisterung, Neues zu lernen und dich weiterzuentwickeln.»

Was macht «Back to Business» attraktiv für Mütter und Väter?

Nicole Pongracz: Unsere Programme bieten die Möglichkeit, in Teilzeit ab 60% zu arbeiten. Darüber hinaus legen wir grossen Wert auf eine faire Entlöhnung. Die Programme, die eine bezahlte Zweitausbildung beinhalten, ermöglichen einen vollständigen Neustart. Diese Programme sollen sicherstellen, dass die Wiedereinsteiger:innen auf dem neuesten Stand der Branche sind, ihre Fähigkeiten auffrischen und sich an aktuelle Entwicklungen anpassen können.

Die Programme sind sehr erfolgreich, werden laufend ausgeweitet und sind beliebt bei Bewerber*innen wie beispielsweise bei Florian Stierli:

Florian Stierli macht im Rahmen von «Back to Business» eine Ausbildung in einem 60%-Pensum zum Zugverkehrsleiter bei der SBB AG. Er hat lange im Gastrogewerbe gearbeitet, aber festgestellt, dass die Arbeitsbedingungen dort mit seiner Familienplanung kaum zu vereinbaren sind. Das Angebot der SBB mit einer bezahlten Ausbildung und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen beschreibt Florian als «Oase in der Wüste».

Die Geschichte von Florian ist ein gutes Beispiel dafür, wie Arbeitnehmende von solchen Angeboten profitieren können. Welche Vorteile ergeben sich für die SBB AG?

Stephanie Escher: Wir haben mit dem Back to Business Programm einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt. Wir erkennen den Wert dieser Talente und streben danach, sie erfolgreich zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen. Quer- und Wiedereinsteiger:innen bringen eine Vielfalt an wertvollen Erfahrungen aus dem Privat- oder Berufsleben mit, die unsere Teams bereichern. Durch flexible und familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen wir eine Umgebung, in der sich unsere Mitarbeitenden längerfristig weiterentwickeln können.

Vorteile hohe auflösung zugeschnitten
Vorteile von «Back to Business» für die SBB. Bild: SBB AG

Welchen Herausforderungen begegnet ihr in der Umsetzung und wie gelingt euch die Überzeugungsarbeit von «Back to Business»?

Nicole Pongracz: Um ein solches Programm umzusetzen, ist es essenziell, dass die Führungsebene dahintersteht. Das heisst, wir müssen sie überzeugen, dass sich die Investitionen auszahlen. In Zusammenarbeit mit der ETH wurde dazu eine Studie lanciert lanciert, die zum ersten Mal den Wert von Wiedereinsteiger*innen für die Wirtschaft untersuchte. Die Studie kommt zum Schluss, dass auch wenn gewisse Investitionen notwendig sind, es sich für Unternehmen langfristig mehrfach auszahlt, den beruflichen Wiedereinstieg zu fördern.​ Diese Fakten ermöglichten es uns, all die genannten Vorteile überzeugend zu vermitteln.

Stephanie Escher: Trotzdem braucht es viel Arbeit: Wir müssen auf die Leute zugehen, ihre Ängste und Vorbehalte verstehen und sie von ihrem Potenzial(?) überzeugen. Es ist auch wichtig, nachdem die Programme implementiert sind, intern über die Erfolge von Back to Business zu kommunizieren. Dadurch konnten sich die verschiedenen Bereiche bei uns gegenseitig positiv beeinflussen und es entstanden neue Programme.

«Die Studie kommt zum Schluss, dass auch wenn gewisse Investitionen notwendig sind, es sich für Unternehmen langfristig mehrfach auszahlt, den beruflichen Wiedereinstieg zu fördern.»

Seid ihr zufrieden mit dem Programm?

Nicole Pongracz: Ja sehr! Natürlich bedeutet eine solches Programm auch viel Aufwand – die Investitionen zahlen sich aber aus. Wir erreichen mehr Gleichstellung im Unternehmen, indem wir den Frauenanteil erhöhen, bleiben als Unternehmen flexibel und agiler und sind in der Lage, auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren.

Bald kommen Teil 2 & 3 der Serie «Beruflicher Wiedereinstieg: Potenziale erfolgreich nutzen» - nicht verpassen!