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Jan Henseleit, 24.08.2020
24.08.2020Jan Henseleit, Leiter HR-Strategie und Personalentwicklung, SRG

Kaderentwicklung bei der SRG

Wie in vielen Unternehmen wünschen wir uns auch in der SRG mehr Frauen im Kader. Aber wie schaffen wir das? Eins vorweg: Es gibt nicht den richtigen oder falschen Weg. Viel sinnvoller ist es, den passenden zu finden. Begeben wir uns also auf die Suche nach dem Weg für die SRG.

Es gibt viele Gründe, weshalb bei der SRG heute weniger Frauen im Kader vertreten sind. Mitunter kann sich die Karriereplanung von Frauen und Männern unterscheiden. Zudem beurteilen Frauen tendenziell anders, ob sie einer Führungsrolle gewachsen sind und ob sie eine solche übernehmen wollen. Oft höre ich den Satz «viele Frauen wollen nicht». Das mag bis zu einem gewissen Grad zutreffen. Umso mehr lohnt es sich, dass Unternehmen Frauen fördern und stärker auf ihre Anliegen eingehen. Dies führt idealerweise dazu, dass mehr Frauen verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen wollen. Ferner müssen die Entscheidträger*innen – auch die bestehenden Kaderfrauen – für das Thema sensibilisiert sein und sich aktiv für bessere Rahmenbedingungen einsetzen. Denn diese haben eine grosse Hebelwirkung.

Die Rahmenbedingungen betreffen auch feinstoffliche Themen und kulturelle Aspekte: Wie wird kommuniziert? Wie gestalten Mann und Frau die Kommunikation auf Augenhöhe?

Die Rahmenbedingungen beziehen sich einerseits auf die konkrete Tätigkeit und die damit verbundenen Anstellungsbedingungen, wie zum Beispiel Arbeitsformen, Arbeitszeitmodelle, flexible Gestaltung der Arbeitszeit, Gestaltung der Arbeit nach der Mutterschaft und schliesslich auch der Lohn. Die Rahmenbedingungen betreffen andererseits aber auch feinstoffliche Themen und kulturelle Aspekte: Wie wird kommuniziert? Wie gestalten Mann und Frau die Kommunikation auf Augenhöhe – wie wird das Gesagte auf beiden Seiten wahrgenommen? Fühle ich mich als Frau angesprochen? Und schliesslich: Was heisst es, wenn jemand in einer Führungsposition Teilzeit arbeitet? Was bedeutet dies im Schichtbetrieb? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Team, wenn viele Mitarbeitende Teilzeit arbeiten? Die Rahmenbedingungen ergeben sich also aus harten und weichen Faktoren. Dafür ist in der SRG auf allen Stufen ein hohes Bewusstsein und Interesse vorhanden.

In den letzten Jahren ist der Frauenanteil im Kader zwar langsam, aber doch kontinuierlich gestiegen. Ende 2019 betrug er 30 Prozent. Es gibt Faktoren, die diesen Trend sicherlich unterstützen. So ist beispielsweise Teilzeitarbeit in der SRG weit verbreitet: Ende 2019 arbeiteten rund 60 Prozent der GAV-Mitarbeitenden Teilzeit. Im Kader waren es 17 Prozent, Tendenz steigend. Es gilt, diesen Trend auch im Kader zu nutzen, allenfalls kombiniert mit ergänzenden Arbeitsformen – vor allem bei den Männern. Neue Wege sind auch bei der Aufteilung von Führung möglich: Seit bald zwei Jahren haben wir in der Generaldirektion ein Frauen-Duo, das im Job-Sharing ein Team leitet. Und seit Kurzem teilen sich auch bei der SRG-Unternehmenseinheit SWI swissinfo.ch zwei Mitarbeitende – eine Frau und ein Mann – eine Leitungsposition.

Wenn wir es schaffen, dass von den heute 70% Kadermännern mehr Teilzeit arbeiten und auch in Leitungspositionen Job-Sharing machen, können wir den kulturellen Wandel weiter vorantreiben – nicht nur im Kader.

Bei den Anstellungsbedingungen für Kader hat die SRG per 2020 verschiedene Anpassungen vorgenommen. Unter anderem haben Mitarbeiterinnen das Recht, nach einer Mutterschaft ihr Pensum bis auf 60 Prozent zu reduzieren. Das Gleiche gilt für Väter. Wenn wir es schaffen, dass von den heute 70% Kadermännern mehr Teilzeit arbeiten und auch in Leitungspositionen Job-Sharing machen, können wir den kulturellen Wandel weiter vorantreiben – nicht nur im Kader.

Wir denken, dass dieser Weg für die SRG passend ist. Und wir hoffen, dass wir dank solcher und ähnlicher Massnahmen mehr Frauen für Kaderpositionen gewinnen können. Denn: 30 Prozent Kaderfrauen sind zwar im Schweizer Vergleich nicht schlecht, aber wir geben uns damit keinesfalls zufrieden. Wir wollen mehr.